Medienmitteilung: Ja zum Verleihrecht und zur Kulturbotschaft 2016-2020
13. Generalversammlung des Verbands Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS in Solothurn
Politik war das Kernthema der diesjährigen Versammlung der Schweizer Autorinnen und literarischen Übersetzer: Der Verband verabschiedete eine Resolution zur Einführung des Verleihrechts, auch in der Schweiz. Die Schreibenden fordern die Nationalrätinnen und Nationalräte auf in der Sommersession für ein Ja zur Kulturbotschaft 2016-2020 zu stimmen – und somit für die Einführung wichtiger Aspekte der Literaturförderung. Auch die beiden Auszeichnungen „plume de paon“ (Pfauenfeder) und „plume de plomb“ (Bleifeder) standen 2015 ganz im Zeichen der Kulturpolitik.
Solothurn, 14. Mai 2015. – Mit der nächsten Teilrevision des Urheberrechts ab 2016 muss auch das digitale und analoge Verleihrecht in der Schweiz eingeführt werden, so die einstimmige Forderung einer vom AdS am Vortag zu den Solothurner Literaturtagen verabschiedeten Resolution. Denn bis heute werden Autorinnen und Autoren in der Schweiz nicht entschädigt, wenn ihre Werke digital oder analog in den Bibliotheken ausgeliehen werden – dies obschon das Verleihrecht seit 1992 verbindlich in allen EU-Ländern gilt. «Wir wollen gelesen werden und begrüssen daher das kostenlose Angebot von Bibliotheken. Wir müssen aber auch die Möglichkeit haben, weiterhin Texte schreiben zu können. Daher müssen wir für alle unsere Leistungen auch entschädigt werden», meint der AdS-Präsident und Autor Raphael Urweider. Das Verleihrecht wäre ein wichtiger Bestandteil, damit der kostenlose Zugang urheberrechtlich geschützter Werke, auch digitaler, weiterhin angeboten wird – und die Autorinnen und Autoren für diese Nutzung dennoch entschädigt werden.
Keine Kürzung des Finanzrahmens für die Kulturbotschaft 2016-2020
Der Nationalrat wird in der Sommersession die Kulturbotschaft 2016-2020 beraten. Die Kulturbotschaft definiert die finanziellen Mittel des Bundes für die Kultur der kommenden fünf Jahre. «Die Situation der Verlage, ganz besonders auch in der Romandie, ist äusserst prekär. Die mit der Kulturbotschaft geplante Verlagsförderung wäre daher essentiell», meint die Lausanner Schriftstellerin Marie-Jeanne Urech, Vizepräsidentin des AdS. «Diese wie auch die für die vielsprachige Schweiz zentrale Übersetzerförderung könnten nicht eingeführt werden, sollte die Kulturbotschaft die parlamentarische Hürde in der vorliegenden Form nicht nehmen. Für die Literaturlandschaft Schweiz wäre das eine Katastrophe.» Daher ruft die Generalversammlung des AdS alle Nationalrätinnen und Nationalräte auf, im Juni unbedingt ein Ja für die Kultur zu stimmen.
Pfauenfeder an Nationalrat Kurt Fluri, Bleifeder an den Zürcher Kulturdirektor Peter Haerle
Auch dieses Jahr verlieh der AdS eine Pfauenfeder für eine besonders erfreuliche und eine Bleifeder für eine besonders verbesserungswürdige Zusammenarbeit mit Autorinnen und Autoren. Dieses Mal wurden Exponenten des Bereichs Literaturpolitik bzw. -förderung ausgezeichnet. Der schillernde Preis «plume de paon» ging an den Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri, gewürdigt von der Schriftstellerin Ruth Schweikert. Der Lyriker Etrit Hasler wiederum slamte in ironisch-bissigem Ton für die bleierne «plume de plomb», die an Peter Haerle, den Direktor der Dienstabteilung Kultur der Stadt Zürich ging. Die vom AdS überreichten Wanderpokale und die dazugehörigen Urkunden sollen Zeichen und Ansporn sein, engagiertes Wirken für die Literatur und die Autorinnen und Autoren weiter zu pflegen und durch aktiveren Dialog vernachlässigter und frustrierter Autorinnen und Autoren aufzuheitern.
Etrit Hasler und Manfred Koch neu im Vorstand des AdS
Schliesslich wählte die Generalversammlung des AdS als Nachfolge für Melinda Nadj Abonji den 37-jährigen Etrit Hasler in den Vorstand. Hasler ist Journalist, Kolumnist, Lyriker und Slampoet aus St. Gallen, wo er auch im Stadtparlament und im Kantonsrat sitzt. Auf die rätoromanische Lyrikerin Leta Semadeni folgt der 60-jährige, in Graubünden lebende Schriftsteller und Dozent Manfred Koch als neues Vorstandsmitglied.
Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS
Raphael Urweider, Präsident
Nicole Pfister Fetz, Geschäftsführerin