Umfrage zum Lilly Ronchetti-Preis

Im April 2018 machte der AdS bei allen 79 Autorinnen und Autoren, die sich 2017 um den Lilly Ronchetti-Preis beworben haben, eine Umfrage zu den Beweggründen der Bewerbung und zur Preisform. Grund für die Befragung war die stark gestiegene Anzahl Bewerbungen seit der ersten Durchführung  des Preises 2009 (2009: 16; 2011: 25; 2015; 60; 2017: 79), die der AdS nicht nur auf die Bekanntheit des Preises zurückführte. Daher wollte der Verband Erkenntnisse gewinnen, welche Aspekte am Beispiel Lilly Ronchetti-Preis besonders wichtig sein könnten. 46 Autorinnen und Autoren, also 58% aller Befragten, haben sich an der Umfrage beteiligt.

Der Lilly Ronchetti-Preis wird dank einem Legat der Winterthurer Autorin Lilly Ronchetti an den AdS alle zwei Jahre verliehen und besteht aus einem frei wählbaren Monat Aufenthalt am Schreibort des AdS in Paris sowie einem Betrag von Fr. 3 000 für die Lebenshaltungskosten. Die Ausschreibung richtet sich an AdS-Mitglieder aus der gesamten Schweiz, die über 40 Jahre alt sind und zumindest teilzeitlich einer anderen Tätigkeit als der Schriftstellerei nachgehen.

Die Auswertung der Antworten zeigte, dass sich die Preisform besonders ideal an die Lebensrealität der Schreibenden in ihrer mittleren Schaffensphase (ab 40 Jahre, insbesondere auch von Frauen) richtet, die ihren Lebensunterhalt (wie die Mehrheit der Schreibenden in der Schweiz) nicht nur aus dem Schreiben bestreiten: frei wählbarer Zeitraum für den Schreibaufenthalt, nicht zu lange Aufenthaltszeit (ein Monat), Lebenskostenunterstützung (ausreichend, wenn auch an der unteren Grenze), unkompliziertes Eingabedossier, Eingabezeitpunkt zu einem sehr frühen Punkt im Schreibprozess (es müssen noch nicht zwingend Texte zum geplanten Projekt vorliegen).

Die Umfrage bezieht sich zwar nur auf ein einziges Beispiel, doch geben  die Antworten durchaus ein Indiz darauf, wie wichtig es ist, die unterschiedlichen Förderinstrumente genau darauf zu prüfen, wie weit sie für die entsprechende Schaffensphase von Autorinnen und Übersetzer auch geeignet sein können. Dies betrifft aus Sicht des AdS ganz besonders die Förderangebote für Scheibende, die sich in ihrer mittleren Schaffensphase befinden, also nicht mehr als Nachwuchs verstanden werden, aber auch noch nicht mit Blick auf ein ganzes Lebenswerk betrachtet werden.

 

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